1.01.2010: Linke Wittlinger Felsen

 

Biotop und Klettergelände unwiederbringlich zerstört

Seit jeher hat sich der Arbeitskreis Klettern und Naturschutz (AKN) in mehreren Arbeitseinsätzen darum bemüht, die Linken Wittlinger Felsen über der Steige vom Seeburger Tal nach Wittlingen von Geröll und losem Gestein zu befreien. Nachdem sich die zuständigen Behörden in 2008 zu umfangreichen Felsberäumungsmaßnahmen entschlossen hatten, hat der AKN mit Unterstützung der Bergwacht und in Absprache mit dem Landratsamt Reutlingen an den Felsen erneut einen Arbeitseinsatz zur Unterstützung der Verkehrssicherungsmaßnahmen naturschonend durchgeführt. In dieser Phase hat sich der Sprecher des AKN, Jörg Greiner, bei vielen Gesprächsterminen mit den zuständigen Behörden und auch vor Ort dafür verwendet, dass alle weiteren Maßnahmen naturverträglich durchgeführt und möglichst viele der bekannten Routen für die Kletterer erhalten werden.
Neben dem AKN war auch der Landesnaturschutzverband (LNV) in die Planungs-phase für die durchzuführenden Maßnahmen eingebunden, da die Linken Wittlinger Felsen nicht nur als beliebtes Klettergebiet gelten, sondern auch nach der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie der EU als Biotop geschützt sind. Der LNV hat beim Regierungspräsidium Tübingen Anfang 2009 eine Fachaufsichtsbeschwerde wegen des Vorgehens der zuständigen Behörden eingelegt.
Seither wurde der private Naturschutz zu den Verkehrsicherungsmaßnahmen an den Linken Wittlinger Felsen nicht mehr konsultiert. Vielmehr sind großflächige Sprengungen an den Felsen vorgenommen worden. Einige Kletterrouten sowie wertvolle Standorte für seltene Pflanzen und Rückzugsmöglichkeiten für seltene Tierarten existieren nicht mehr. Hierzu ist anzumerken, dass die ausführende Firma nach abgetragenem Felsvolumen bezahlt wurde, was unter dem Gesichtspunkt des Zusammenwirkens von Naturschutz und dem Erhalt ausgewiesener Klettergebiete an den Albfelsen absolut nicht zielführend ist. Es ist unbestritten, dass Menschen, die unter solchen Felsen täglich unterwegs sind, vor herabfallendem Gestein geschützt werden müssen und die hierfür zu ergreifenden Maßnahmen eine schwierige Aufgabe sind. Dennoch müssen die Zielsetzung dieser Maßnahmen für alle Beteiligten nachvollziehbar sein und überprüfbare Alternativen aufgezeigt werden.
Die Sektion Reutlingen und der Landesverband Baden-Württemberg des DAV setzen sich mit dem AKN und dem LNV weiterhin dafür ein, dass sichergestellt wird, dass künftige Maßnahmen an Albfelsen zur Verkehrssicherung auf das Notwendige beschränkt, verfahrenstechnisch korrekt und gegebenenfalls mit entsprechenden Ausgleichsmaßnahmen durchgeführt werden.

(Text: Peter Langenbucher, Bild: DAV Reutlingen)

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