Skihochtour Berner Oberland April 2012

Mit der Jungfraubahn geht's hinauf

Das Gebiet des nördlichen Berner Oberlandes ist durch seine zahlreichen Gletscherströme eine einzigartige Landschaft in den Alpen. Umgeben von zahlreichen Viertausendern ist es sowohl im Sommer als auch im Winter ein beliebtes Tourenziel, die großen Entfernungen und die eingeschränkte Zugänglichkeit erfordern aber Kondition und Durchhaltevermögen.

Der Film der Skitour von Philippe Oberland April 2012  auf youtube.com!! 

Die beiden französischen Bergführer Pierre und Olivier hatten daher für die fünftägige Tour ein strammes Programm zusammengestellt, zu den 1200 bis 1500 Höhenmetern pro Tag sollten auch noch einige Kilometer Strecke dazukommen.
Der schwierige Zustieg zum Aletschgebiet wurde allerdings durch eine gemütliche Zugfahrt auf das Jungfraujoch erkauft. Zuvor hatte sich die gesamte Gruppe auf dem Bahnhof von Spiez getroffen, Pierre und Olivier, unterstützt durch die Kollegen Philippe und Nans hatten sich im Rhône-Tal mit Martin und Dany getroffen und waren von Lötschberg aus mit dem Zug angereist, die Teilnehmer aus Reutlingen (Willibald, Ute, Thomas, Klaus, Steffen, Didi, Stephan und Peter) hatten ihre Autos im Parkhaus am Bahnhof deponiert. Über Grindelwald ging die Fahrt zusammen mit zahlreichen Touristen auf die 3470m hoch gelegene Bahnstation.  Zur Akklimatisierung wurde dort ein gemeinsames Mittagessen eingenommen, anschließend wurden die vielen Touristenattraktionen besucht und teilweise kopfschüttelnd belächelt. Auf der Plattform der Forschungsstation gab es einen ersten Eindruck von der kalten, wechselhaften Wetterlage mit Nebel, Schnee und Sturm, die auch für die kommenden Tage nicht unbedingt besser vorhergesagt war.

Die lange Treppe vom Gletscher zur Konkordiahütte hinauf

Nach dem Ausrüstungscheck ging es dann endlich weg vom Touristenrummel hinaus auf den Jungfraufirn in Richtung oberes Mönchsjoch. Die geplante Abfahrt über das Ewigschneefeld auf die Konkordiahütte wurde unterhalb der Mönchsjochhütte aber aufgrund des erheblichen Neuschnees und des zunehmend stürmischen Windes kurzerhand abgebrochen und die Route direkt über den Jungfraufirn gewählt. Der abschließende Aufstieg vom Konkordiaplatz zur Hütte erfolgte über die mittlerweile 150m lange Leiter. Die normalerweise grandiose Aussicht auf den Konkordiaplatz wurde uns leider durch Nebel und Schneefall verwehrt.

Die erste Nacht brachte weitere Schneefälle und die trübe Wetterlage am Morgen machte es leider nicht möglich, wie geplant auf das hintere Fiescherhorn (4025m) aufzusteigen. Stattdessen führte uns die Route über die Grünhornlücke  in Richtung Fieschergletscher. Dort bescherte uns der Neuschnee der letzten Tage eine schöne Tiefschneeabfahrt. Als Ersatzprogramm für das hintere Fiescherhorn hatte Pierre den Wyssnollen (3590m) vorgeschlagen, ein kleinerer Gipfel südlich der Grünhornlücke. Und bereits bei der Abfahrt auf den Fieschergletscher schien das Wetter ein wenig besser zu werden. Im Laufe des Aufstiegs riss die Wolkendecke dann vollständig auf, und wir konnten bei Windstille und tollem Panorama auf dem Gipfel unser Lunchpaket aufessen. Nach einer absolut perfekten Tiefschneeabfahrt über 700 Höhenmeter zurück auf den Gletscher waren die Überquerung und der kurze Aufstieg zur Finsteraarhornhütte schnell und problemlos erfolgt.

Super - Pulver - Abfahrt vom Wyssnollen

Das Wetter hatte sich über Nacht nicht wesentlich verschlechtert, und so konnten wir am nächsten Tag tatsächlich den Aufstieg auf das Finsteraarhorn (4274m) angehen. Nach Auskunft des Hüttenwirts waren das letzte Mal vor drei Wochen Leute zum Gipfel unterwegs gewesen, und die beiden anderen Gruppen auf der Hütte hatten sich für den Tag Touren auf der anderen Talseite vorgenommen. Somit war die komplette Spurarbeit von den Bergführern zu bewältigen, die dabei stets locker und gut gelaunt vorausgingen und trotzdem ein angemessenes Tempo vorlegten.
Die Passage am Frühstücksplatz konnte aufgrund der Schneeverhältnisse mit angeschnallten Skiern bewältigt werden, und auch der weitere Aufstieg bis zum Hugisattel (4100m) war trotz aufkommendem Wind problemlos machbar. Der von dort verlaufende steile Grat bis zum Gipfel war an mehreren Stellen bis aufs blanke Eis abgeblasen, und der Wind trieb starke Schneefahnen vom Gipfelaufbau weg. Die Entscheidung, den Aufstieg hier abzubrechen und abzufahren war in diesem Augenblick für die durchgefrorene Gruppe schnell gefällt, aber wie immer überlegt man sich dann im Nachhinein, ob es nicht vielleicht doch gegangen wäre.
Die Abfahrt zurück zur Hütte war durch den windverpressten Schnee besonders im oberen Bereich etwas schwieriger, aber auch hier hatten wir längere Passagen mit erstklassigem Tiefschnee.
Am Nachmittag setzte dann erneut Schneefall ein, der auch in der kommenden Nacht und den gesamten nächsten Tag nicht nachließ.

Skidepot am Finsteraarhorn (Hugisattel) auf 4100 mH

Die ursprünglich geplante Variante über den Kranzberg (3666m) wurde bei der Passage zur Hollandiahütte nicht weiter verfolgt, sondern der direkte Weg zurück über die Grünhornlücke und den Konkordiaplatz gewählt. Entgegenkommende Gruppen hatten für eine Spur zur Grünhornlücke gesorgt, so dass wir einen Teil der langen Strecke in deren Aufstiegsspur abfahren konnten. Auf dem Konkordiaplatz kamen nochmals zwei Tourengeher entgegen, deren Spur war aber nach kurzer Zeit durch den Wind und den anhaltenden Schneefall zugeweht und die Führer mussten erneut Spurarbeit leisten. Die Hütte selbst konnte mittels GPS sicher erreicht werden, die klassische Orientierung im Gelände war nur schwer möglich. Zur Entschädigung für den langen Tag gab es Rösti und Bier.

Der Morgen des letzten Tages zeigte sich von seiner besten Seite. Der Schneefall hatte in der Nacht nachgelassen und wir wurden von blauem Himmel und einer sagenhaften Aussicht verwöhnt. Diese sollte vom Gipfel der Äbeni Flue (3962m) noch besser sein, daher machten wir uns durch den in den letzten Stunden gefallenen Neuschnee auf den Weg. Im Laufe des Vormittags kündigten Föhnwolken den nächsten Wetterwechsel an, und auf dem Gipfel war das Panorama bereits durch viele Wolken eingetrübt. Nach einer weiteren wunderschönen Tiefschneeabfahrt mit einigen Querungspassagen wurde auf der Hollandiahütte nochmals eine Mahlzeit genossen und die letzte Abfahrt durch das Lötschental in Angriff genommen. Der Föhnsturm hatte für eine weitere Verschlechterung des Wetters gesorgt, jedoch konnte der Talort Blatten nach einer langen Abfahrt durch alle denkbaren Schneeverhältnisse und ein paar Metern zu Fuß sicher erreicht werden. Die Pünktlichkeit von Schweizer Bus und Bahn führte leider zu einem etwas hektischen Abschied in Lötschberg, von dort fuhr die Reutlinger Gruppe zurück mit dem Zug nach Spiez.    

Trotz der schlechten Wetterprognose hatten wir fünf tolle Skitouren-Tage in einer beeindruckenden Bergwelt erlebt, die uns noch lange in Erinnerung bleiben werden.

Danke an Pierre und Olivier, Philippe und Nans von ALTA-VIA!!

Text: Peter Kunert

Fotos: Ute Müller

Der lange Marsch über den Konkordiaplatz
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