Klettersteigkurs im Ötztal vom 15. bis zum 17.06.2012

Am Freitag, den 15.07.2012 starten 12 vergnügte Mitglieder der Sektion Reutlingen an der Kletterhalle Reutlingen in Richtung Ötztal. Nach einer reibungslosen Fahrt bei bestem Wetter erreichen wir das Landhaus Falkner in Längenfeld um 18:30 Uhr. Unsere beiden Ausfahrtsleiter Markus Meier und Martin Hainz erwarten uns dort bereits. Nachdem alle ihre Zimmer bezogen haben, machen wir uns auf den Weg in ein nahegelegenes Restaurant, wo wir auf der Terrasse bestens speisen und den Sonnenuntergang, die hereinbrechende Abenddämmerung, das Bergpanorama, die herrliche Bergluft und die Vorfreude auf den morgigen Tag genießen. Da wir aber nicht zum „Urlaub machen“ hier sind (Zitat Markus), sondern um was zu lernen, gibt uns Markus nach dem Essen nach einer Kennenlern- und Erwartungsrunde wichtige Infos zur Ausrüstung, zur Schwierigkeitseinstufung der Steige, zur Klettertechnik und zum Verhalten am Klettersteig.

Am Samstag fahren wir bei sommerlichem Wetter etwa 10 km talabwärts nach Umhausen zum Stuibenfall-Klettersteig. Ausgangspunkt ist der Parkplatz Ötzidorf in 1090 m Höhe. Wir gehen 30 Min auf einem bequemen Weg steil bergan bis zu der Seilbrücke, die als Einstieg in den Klettersteig den tosenden Bach überquert. Wir ziehen unsere Hüftgurte und Klettersteigsets an, setzen die Helme auf, kontrollieren gegenseitig ob die Ausrüstung richtig angelegt ist und es kann losgehen. Nach der Seilbrücke wechseln sich Pfade mit leichten Kletterpassagen ab, später verläuft der Steig im steilen Fels, aber stets mit guten Tritten und Griffen in der Schwierigkeitsstufe B/C über einen Höhenunterschied von 300 m.

Die Ausblicke in die Tiefe und zu dem grandiosen Wasserfall, in dessen Nähe wir uns nach oben bewegen, sind beeindruckend und ein tolles Erlebnis. Der Ausstieg aus dem Steig erfolgt wieder über eine Seilbrücke direkt über der Felskante, ab der sich die Wassermassen in die Tiefe stürzen. Nach der verdienten Brotzeit geht es wieder abwärts über einen schmalen Pfad, immer entlang des Wasserfalls. Der Luftzug und das Spritzwasser der tosenden Wassermassen sorgen für eine willkommene Abkühlung.

Im ersten steilen Aufschwung des Stuiben-Wasserfall-Klettersteiges
Stuibenfall-Klettersteig, erster steiler Aufschwung
Es wird ausgesetzter!
Stuibenfall-Klettersteig, ausgesetzte Querung
Die abschließende Seilbrücke.
Stuibenfall-Klettersteig, abschließende Seilbrücke
Nochmal die Seilbrücke über den Wasserfall - aus anderer Perspektive
Stuibenfall-Klettersteig, Steilbrücke über den Waserfall - andere Perspektive
Nach dem steilen Aufschwung am Lehner Wasserfall geht es entspannter zu
Stuibenfall-Klettersteig, leichter Aufstieg
Luftige, aber nicht schwere Querung
Stuibenfall-Klettersteig, luftige Querung

Für die zweite Tageshälfte können wir entscheiden, ob wir in den Klettergarten, in den Badesee oder zu einem zweiten Klettersteig wollen. Wir entscheiden uns für den Klettersteig, den Steinwand-Klettersteig in Arzl im Pitztal.

Nach 20 Min Autofahrt sind wir am Ziel. Der Steig überwindet eine Höhendifferenz von 120 hm, mit Zustieg 200 hm. Der Zustieg erfolgt in 15 Minuten über einen steilen Pfad im schattigen Wald, was bei den hochsommerlichen Außentemperaturen sehr angenehm ist. Nach einem steilen Felseinstieg in den Steig gibt es eine längere Querung, an deren Ende jeder der Gruppe entscheiden kann, ob er die „leichtere“ Variante mit der Einstufung B/C oder die „schwierigere“ Variante C/D klettern möchte. Bei dieser Variante sind einige exponierte Verschneidungen und kleinere Überhänge zu bewältigen. Jede Gruppe wird von einem der Ausfahrtsleiter begleitet und bestens betreut.

Beim ersten Überhang des C/D-Steigs rutscht eine Teilnehmerin ab und baumelt im Sicherungsset über dem Abgrund. Der Schreck ist für alle Beteiligten groß, zum Glück bleibt sie unverletzt und zieht sich sofort instinktiv wieder zurück ans Drahtseil. Martin steigt sofort zu ihr ab, sichert sie am Fels und bleibt bei ihr. Immerhin wissen wir jetzt alle, dass das Klettersteigset einen Sturz bei richtiger Handhabung sicher abfängt, was neben dem Schreck auch irgendwie beruhigt. Ich selber sichere mich in einer kleinen Nische, die sich etwa 3 m unter der Absturzstelle in einem Felsband befindet. Auf Wunsch der Gestürzten rufe ich die Bergwacht. Der Schock des Sturzes sitzt zu tief, sie traut sich in ihrem Zustand auch ein gesichertes Absteigen am Seil mit Martin nicht zu. Die Gruppe, die die leichtere Variante gegangen ist, ist inzwischen am Fuß des Berges angekommen und hat Blick- und Rufkontakt zu der Position, in der ich mich befinde. Markus steigt zügig hoch, um weitere Hilfestellung zu leisten. Kurz danach ist bereits die Bergwacht da, die Bergung verläuft ruhig, sicher und unspektakulär. Markus nimmt die Gerettete in Empfang und begleitet sie zur wartenden Gruppe. Die Freude und Erleichterung jedes Einzelnen ist deutlich spürbar.

Martin und ich klettern daraufhin über die Schlüsselstellen des Steigs nach oben zur Aussichtsplattform und dem Ausstieg– was nach der Wartezeit und dem Erlebten zumindest für mich eine echte Herausforderung darstellt. Oben werden wir von zweien unserer Gruppe mit großem Hallo empfangen. Ruck zuck ist die Anspannung verflogen, stattdessen stellen sich Erleichterung, Freude, Gemeinschaftsgefühl und Glück ein.

Den Abend verbringen wir entspannt im Restaurant, wo wir das Erlebte des Tages gemeinsam aufarbeiten. Der ursprünglich geplante Theorieteil des Kurses zum Thema Tourenplanung, Wetterkunde und Sicherungstechniken mit dem Seil werden auf den Sonntag verschoben. Das angekündigte Gewitter bleibt uns an dem Tag zum Glück erspart.

Am Sonntag werden wir alle bereits um 6:00 Uhr mit lauten Böllerschüssen geweckt, die im Wechsel mit den Kirchenglocken dafür sorgen, dass wir früh munter werden. Nach dem Frühstück fahren wir zum Klettersteig Lehner Wasserfall, der in Längenfeld am Ötztaler Heimatmuseum in 1160 m startet. Der Zustieg erfolgt in 20 Minuten entlang der Kreuzwegstation zum Hochwald. Nach der Kapelle geht es über eine Hängebrücke, der Einstieg in den Steig erfolgt über eine steile, aber gut gesicherte Wand in der Schwierigkeit C. Es folgt eine Querung in der Schwierigkeit A/B, dann geht es hoch über ein Felsstufe (B/C), in einer langen ausgesetzten aber gut gesicherten Linksquerung eröffnen sich wunderbare Blicke auf den Lehner Wasserfall. Die Schlüsselstelle des Steigs, ein überhängendes Dach (D/E), umgehen wir alle. Nervenkitzel hatten wir gestern genug. Der Steig ist durchweg hervorragend gesichert mit vielen Klammern und Griffen. Es fühlt sich fast so an wie ein Spaziergang in luftiger Höhe.

Auf der Gipfelplattform in 1420 m Höhe lernen und üben wir nach der Brotzeit, wie man sich und andere mithilfe eines Seils zusätzlich sichern kann. Dass mal was passieren kann, haben wir ja erst gestern erlebt, jetzt wissen wir alle, wie man eine erschöpfte Person ohne Kraftaufwand absichern und begleiten kann. Voraussetzung ist natürlich, ein 30-m Seil und entsprechende Schraubkarabiner dabei zu haben. Der Abstieg führt auf steilem Pfad durch den Wald zurück zum Ort, wo wir noch ein Café aufsuchen. Dort erhalten wir bei kühlen Getränken wertvolle Infos zur Tourenplanung, zur Wetterkunde, zum Verhalten in Gefahrensituationen von unseren Ausfahrtsleitern und bekommen Literaturtipps für Klettersteige.

Ein herzliches Dankeschön an Markus Meier und Martin Hainz für die gelungene Organisation, Durchführung und Betreuung während dem Wochenende. Wir haben alle viel dazu gelernt und sind um wertvolle (Grenz-)Erfahrungen reicher geworden. Alte Freundschaften haben sich vertieft und neue Bergfreundschaften sind entstanden.

Text: Beate Lever, Bilder: Markus Meier

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