04.06.2012

Grundkurs Bergsteigen im Karwendel

DAV Reutlingen - Grundkurs Bergsteigen 2012

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01. - 03.06.2012

Freitag Mittag trafen sich 11 bergbegeisterte Reutlinger Sektionsmitglieder mit den beiden Fachübungsleitern Janina und Markus Meier am Reutlinger Kletterzentrum. Mit zwei Kleinbussen erfolgte eine umweltgerechte Anreise nach Hochzirl unweit von Innsbruck. Dort wartete bereits der Transportservice zur Materialseilbahn. Das Gepäck wurde in den Anhänger geladen, alle Bergsteiger in den Ford Transit, der uns zwei Drittel des Weges abnahm und zur Talstation der Materialseilbahn des Solsteinhauses brachte. Dort wurde das Gepäck in die Seilbahn geladen und wir machten uns an den einstündigen Aufstieg zur Hütte.

Nach der Hälfte der Strecke erblickten wir die Hütte, die aussichtsreich am Erlsattel liegt. Robert, der Hüttenwirt erwartete uns bereits, so dass wir nach kurzer Umziehpause das phantastische Abendessen und die gemütliche Hütte genießen durften. Nach einer Vorstellungsrunde mit kurzem „Namensspiel“ wurden noch die Helme und Klettersteigausrüstung angepasst. Bald schon verschwanden wir ins Bett, da am nächsten Tag eine spannende Bergtour bevorstand.

Nach einem ausgiebigen Frühstück erwartete uns der sonnige Morgen auf der Hüttenterrasse. Kurz danach starteten wir zum Großen Solstein. Wir wählten allerdings nicht den direkten Weg, sondern wollten über den Zirler Schützensteig zur Neuen Magdeburger Hütte und über den Höttinger Schützensteig auf den Gipfel. Gleich nach dem Erlsattel wartete die erste Herausforderung auf uns, in den Latschen waren noch einige Schneefelder vorhanden. Somit wurde gleich der Pickel ausgepackt und nach einer kurzen Übungseinheit konnten die Schneefelder sicher überquert werden. Als der Weg in die Südflanke wechselte wurden die Schneefelder weniger, dafür wurde das Gelände zwischenzeitlich felsiger. Einige Sicherungen halfen uns über die schwierigen Stellen hinweg, zwischenzeitlich wurde sogar der Steinschlaghelm aufgesetzt und so näherten wir uns immer mehr der Magdeburger Hütte. Kurz vor der Hütte sorgte ein Schneefeld in einer Schlucht noch einmal für Spannung. Solide Bohrhaken ermöglichten allerdings ein Absichern mit dem Seil, so dass auch dieses Hindernis bald überwunden war und wir auf einer Wiese oberhalb der Hütte die erste Rast einlegten.

Anschließend querten wir nach Osten zum Höttinger Schützensteig. Der Weg führte zuerst durch den Wald und später durch recht heiße Latschenfelder stetig bergauf. Der Weg querte ziemlich lange unter steilen Felswänden nach rechts. Einige Stellen waren doch recht ausgesetzt, so dass wir froh um die angebrachten Sicherungen und das Klettersteigset waren. Bald schon stellte sich aber das erste steile Schneefeld in den Weg. War dieses noch recht leicht am unteren Rand zu umgehen, sollten später noch mehrere Schneefelder zu einem ernsteren Hindernis werden. Der Weg führte stetig in die Höhe und nach einem weiteren Schneefeld, das wir umgingen, gelangten wir zu einem Sattel. Gegenüber erhob sich der eindrucksvolle Kleine Solstein, der sogar höher ist als sein großer Bruder. Der Weg führte nochmals steil in die Höhe und setzte anschließend zu einer Querung auf den Südrücken an, der das Wörgltal rechts begrenzt. Diese Querung stellte sich allerdings als recht knifflig heraus. Drei Schneefelder waren in den Rinnen eingelagert und mussten abgesichert werden. Aufgrund fehlender Sicherungsmöglichkeiten im Schrofengelände blieb nur die Absicherung über T-Anker im tiefen Firn. Nach dem Eingraben von insgesamt vier T-Ankern und der Nutzung eines Felsköpfels konnte die Gruppe die Schneefelder gefahrlos überqueren und erreichte den breiten Südrücken.

Mühsam, aber unschwierig gelangten wir zum tief verschneiten Sattel zwischen den beiden Solsteinen. Eine viertel Stunde später standen wir am großen Gipfelplateau und genossen die Aussicht auf die umliegenden Bergwelt. Im Norden beeindruckten vor allem die Kalkgipfel des Karwendels, während im Süden der Blick bis zu den Stubaier Berühmtheiten Habicht, Wilder Freiger, Zuckerhütl und Ruderhofspitze reichte. Nach einer ausgiebigen Rast machten wir uns an den direkten Abstieg zum Solsteinhaus. Dieser ging recht flott vorwärts. Lediglich im unteren Bereich trafen wir wieder auf einige Schneefelder. Das letzte Schneefeld, das direkt zum Erlsattel führte wurde als Abkürzung gerne genommen. Für den ein oder anderen ging der Abstieg wohl nicht schnell genug, so dass dieses Schneefeld mehr oder weniger absichtlich in einer flotten Rutschpartie endete. Wenig später waren wir nach 10 Stunden müde und durstig am Solsteinhaus und freuten uns auf Wiener Schnitzel und Kässpatzn.

Am Höttinger Schützensteig zum Gr. Solstein
Am Sattel zwischen den beiden Solsteinen
Müde aber glücklich: Auf dem Gr. Solstein
Flotte Rutschpartie kurz vorm Erlsattel
Auf dem Triumphbogen im Übungsklettersteig

Am nächsten Tag wollten wir es mit einer Ausbildungseinheit im Klettergarten gemütlicher angehen. Während eine Gruppe sich an Knoten, Befestigung eines Fixseiles und Sicherung mit Degenschlinge übte wurde von der anderen Gruppe der im Klettergarten befindliche Übungsklettersteig begangen. Dieser ist zwar kurz aber mit einer D-Stelle doch recht knackig. Nach dem senkrechten Auftakt über einen Pfeiler folgte die luftige Querung des Triumpfbogens, einer schmalen Felsenbrücke. Nun folgte aber der anstrengenste Abschnitt. Der doch recht anspruchsvolle Abstieg über eine zu Beginn senkrechte Wandstufe. Anschließend wurden die Gruppen gewechselt und auch die zweite Gruppe erlebte den Nervenkitzel im Klettersteig. Im Anschluss daran suchten wir nochmals die Rinne vom Vortag am Erlsattel auf. Dort wurden Rutsch- und Bremsübungen mit Pickel im steilen Firn geübt. Da die ein oder andere Rutschpartie länger dauerte als geplant waren wir recht froh, dass die Rinne flach und ungefährlich am Sattel auslief. Nach der wohl spaßigsten Übungseinheit des Kurses packten wir in der Hütte unsere Gepäck, das wieder nach Hochzirl transportiert wurde.

Nach einem abschließenden Kaffee wanderten wir gemütlich zurück zur Materialseilbahn und weiter nach Hochzirl. Nach einer etwas anstrengenden Autofahrt verabschiedeten wir uns in Reutlingen nach einem schönen und eindrucksvollem Wochenende voneinander.

Text und Bilder: Markus Meier

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