Winter-Nordwand-Trilogie an den Drei Zinnen

Sektionsmitglied Fritz Miller komplettiert mit einer Begehung der Kleinen Zinne Nordwand seine Winter-Nordwand-Trilogie an den Drei Zinnen, dem Wahrzeichen der Dolomiten.

Zustieg zum Rifugio Auronzo. Foto: Flo Jehle

Die Kleine Zinne ist ein exzellenter Kletterberg. Anders als bei Großer und Westlicher Zinne finden sich die besten Routen aber auf ihrer Südseite. Nordseitig gibt es dafür Schatten, Bruch und im Winter jede Menge Schnee – übliche Zutaten für ein Nordwandabenteuer. Meine Motivation für einen Winterdurchstieg der Kleinen Zinne Nordwand war neben meiner Vorliebe fürs Winterbergsteigen ganz klar eine gewisse Sammlerleidenschaft: Drei Zinnen, drei Nordwände, drei Winterbegehungen…

Die Drei Zinnen mit den gekletterten Linien (grober Verlauf). Foto: F. Miller

17. Februar 2007: Große Zinne Nordwand, Superdirettissima

Lukas Binder und ich wählten bewusst die „Superdirettissima“, die direkteste Linie durch die 500 m hohe Nordwand der Großen Zinne. Schnee kann in dieser Route kaum liegenbleiben und Haken stecken viele. Sie weisen den Weg durch die Wand, sind als Sicherungspunkte allerdings äußerst kritisch zu betrachten. Die Schwierigkeiten liegen bei ungefähr 7 A2, wenn man (wie wir es getan haben) die Passagen ohne Fortbewegungshaken frei klettert. Die letzten Seillängen waren dann weniger steil, dafür aber sehr alpin, und ich musste auch öfters am Standplatz im Schnee stehen – mit Kletterschuhen wohlgemerkt. Folge: leichte Erfrierungen an den Zehen, im Frühjahr neue Zehennägel.

Lukas im Mittelteil der Superdirettissima. Foto: Fritz Miller

9. Januar 2013: Westliche Zinne Nordwand, Cassin-Führe

Im März 2009 mussten Lukas und ich in der Schweizerführe, der klassischen Direttissima der Westlichen Zinne Nordwand, im eisigen Wind umkehren. Das Interesse an dieser Wand war dadurch keinesfalls gebrochen. Bis zu einem neuerlichen Anlauf sollte es nur etwas dauern. In der Zwischenzeit kam es in der Schweizerführe zu einem größeren Ausbruch, der die Schwierigkeit der Route wahrscheinlich deutlich erhöhte. Die „Cassin“ erschien also realistischer, und ich konnte Florian Jehle und Korbinian Schmidtner für einen Versuch gewinnen. Es hat geklappt, unterfordert waren wir allerdings nicht. Besonders das verschneite 4er und 5er-Gelände im oberen Wandteil kostete Zeit und Nerven. Nach 12 Std. und 40 Min. Kletterei, einen guten Teil davon bei Nacht, erreichten wir schließlich den Gipfel.

Der 50 m lange Cassin-Quergang. Foto: Flo Jehle
Am Ringband geht’s ein Stück nach links und dann noch mal ein paar Längen nach oben. Foto: Flo Jehle
Auf dem Gipfel der Westlichen Zinne: Florian, Korbinian, Fritz. Foto: F. Jehle

5. März 2013: Kleine Zinne Nordwand, Fehrmannkamin

Nur 5+, nur gut 10 Seillängen – nur noch Formsache? Nein! Hannes Neubert, ein junger Allroundalpinist aus der Reutlinger Gegend und ich bekamen es mit den anfangs beschriebenen Unannehmlichkeiten zutun. Und weil wir jeden (!) Stand selbst einrichten mussten, blieb für Zwischensicherungen nicht mehr viel Material. Wir kletterten die ganze Route mit Steigeisen. Zuletzt im Schneckentempo durch gefährlichen Steilbruch, damit ja kein Stein oder gar man selbst auf den Partner fällt. Angenehm war diesmal aber, bei Tageslicht auf dem Gipfel zu stehen. Über die perfekt eingerichtete Abseilpiste in der Westwand ging es dann auch ohne Komplikationen hinab.

Hannes im Wandvorbau der Kleinen Zinne Nordwand. Foto: Fritz Miller

Blick zurück

Sie faszinieren mich seit meiner Jugendzeit, die Drei Zinnen. Immer wieder war ich dort, ein paar Mal auch im Sommer. Besonders wild, einsam und traumhaft schön habe ich sie im Winter erlebt. Im kalten, verschneiten Fels zu klettern war manchmal hart, manchmal auch gefährlich. Eindrücklich war es immer. So bleiben mir die unternommenen Klettereien als große Touren in Erinnerung, auch wenn sie bei weitem nicht so lang und abgeschieden wie manch andere Routen der Alpen sind.

Ein Wort zum Stil

Winterbergsteigen an den Drei Zinnen ist Alpinismus. Mein Ziel war nicht, hohe Schwierigkeitsgrade zu meistern, sondern die Gipfel über Nordwandrouten zu erreichen. Also an den Ringbändern von Großer und Westlicher Zinne nicht auszukneifen oder gleich wieder abzuseilen. In der „Cassin“ habe ich einzelne Passagen technisch geklettert, in der Superdirettissima weite Strecken – wie in diesen Routen eben üblich.

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