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Tourenberichte Sommer
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Hochtour Silvretta 2005
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Radler, Radsattel, Hohes Rad und Gletscher
Hochtourenwochenende in der Silvretta (Text: Rainer Haas, Bilder: Wolfgang Schmid)
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| Piz Buin (3318 m) über dem Ochsentaler Gletscher |
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| Am Gipfel des Hohen Rad (2968 m) |
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„Nur der frühe Vogel fängt den Wurm“! Getreu diesem Leitsatz starteten sieben Bergsteiger/Innen am letzten Juli-Wochenende morgens um sechs in Reutlingen zum „Hochtouren-Wochenende“ in die Silvretta. Bei der Hochfahrt über die Hochalpenstraße zollten sie so manchem Radfahrer Respekt, der die Strecke per pedes in Angriff nahm. Dabei hat dieses Fortbewegungsmittel gar nichts mit dem Hohen Rad (2968 m) zu tun, dem ersten Tagesziel der Reutlinger. Vom Silvretta-Stausee führte ihr Weg über Wiesen, schrofige Hänge, Geröll und Steinplatten zum Radsattel und weiter hinauf zum Gipfel mit seinem herrlichem Panorama.
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| Von links: Heiko Ulmer, Udo Müller, Hans-Joachim Schuster, Wolfgang Schmid, Erwin Haap, Frederike Willms, Rainer Haas |
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Ausfahrtleiter Udo hatte ein perfektes Timing: just in dem Moment, als die Bergsteiger das Tagesziel, die Wiesbadener Hütte (2443 m) erreichten, fielen die ersten Regentropfen. Dort trafen sie erneut auf Radler, diesmal in flüssiger Form. In der Gaststube führte die Bedienung derweil ein ungewohnt strenges Regiment: 1. Die Sitzplätze werden angewiesen 2. Man redet nur, wenn man dran ist 3. Halbpension gibt es nur bis 17 Uhr 4. Nachschlag gibt es keinen bzw. muß bezahlt werden. Ordnung muß eben sein, auch auf 2400 m. Doch damit kein falsches Bild aufkommt: Die 1896 gebaute Hütte war in blendender Verfassung, das Essen ausgezeichnet, das gewohnte Prinz Luitpold Bier vorrätig, und sogar eine warme Dusche vorhanden.
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| Trockentraining: Spaltenbergung |
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Für den nächsten Tag stand die „Königsetappe“, der Gipfel des Piz Buin (3318 m) auf dem Programm. Voller Vorfreude diskutierten die Bergsteiger die verschiedenen Aufstiegsrouten – ohne Rad. Aber dafür mit einfacher Rolle! Mit der wurde noch geübt zur Vorbereitung auf die Gletschertour und zur Auffrischung der Kenntnisse. Beherrschen der Techniken der Spaltenbergung ist bei einer Begehung des so spaltenreichen Ochsentaler Gletschers eine unbedingte Pflicht.
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Bei gutem Wetter zogen die Alpinisten früh am nächsten Morgen über wilde Bäche und vorbei an der grünen Kuppe hinüber zum Ochsentaler Gletscher. Nun wurde es Ernst: Steigeisen anlegen, Einbinden ins Seil und auf glitzerndem Eis den Gehrythmus finden. Atemberaubende Blicke taten sich auf hinunter in tiefe Eisspalten. Nicht immer war der Weg leicht zu finden in dem Labyrinth. „Hoppala“, kurz vor dem Fuße des Berges war auf einmal Joachim verschwunden. Er war in eine Spalte gefallen, so dass nur noch der Kopf rausschaute. Seine Beine hingen in völliger Leere über dem Abgrund und so wurde die graue Theorie der Spaltenbergung schnell Wirklichkeit. Seine Kameraden konnten ihn aber unverletzt herausziehen.
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| Eisen an, ins Seil einbinden! |
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| Aufstieg über den Ochsentaler Gletscher |
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| Am Fuß des Piz Buin: heraus aus den Steigeisen, hinein in den Fels |
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Der Aufstieg zum Gipfel war mit leichter Kletterei verbunden und in weiser Voraussicht war ein Seil mit dabei. In einem steilen Kamin herrschte Steinschlaggefahr, war der Fels doch sehr brüchig. Aber Erwin hielt die größten Steine fest. Mit großer Begeisterung erreichten die Reutlinger Bergsteiger den Gipfel und genossen den herrlichen Rundblick bei einer ausgiebigen Brotzeit.
Beim Abstieg wurde die Gruppe mutig und wählte eine andere Route: Abseilen sorgte für einen Nervenkitzel und es war ein beruhigendes Gefühl, vom ausgebildeten Fachübungsleiter Udo über einige ausgesetzte Stellen hinunter gesichert zu werden. „Das hatte jetzt aber gerade noch gefehlt“: kurz vor Erreichen des Gletscherbruches zog der Nebel herein. Wie sollte das jetzt weiter gehen? „Der kluge Mensch baut vor und setzt neuzeitliche Technik ein“. GPS-Ortung kann ein Segen sein, wenn man es dabei hat und damit umgehen kann.
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| In den Brüchen des wilden Ochsentaler Gletscher |
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Zurück auf der Hütte blieb Zeit, das Erlebte noch einmal Revue passieren zu lassen, bevor sich die Bergsteiger plötzlich in einer Umfrage der Universität für Bodenkultur in Wien wiederfanden. Der folgende Tag brachte schlechteres Wetter, eine Programmänderung war die Folge: anstelle der Dreiländerspitze lautete das Ziel nun auf den nahe gelegenen Ochsenkopf (3057 m), ein weniger häufig besuchter Berg.
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„Trends und Handlungsbedarf im Sommer-Bergtourismus“
Ein Forschungsprojekt zum Thema im Auftrag des österreichischen Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit. Ziel ist die Erhebung des geänderten Verhaltens der Touristen am Berg im Laufe der Jahre und die Aufnahme der aktuellen Anforderungen der Alpinisten an Infrastruktur, Hütten, Aufstiegshilfen etc. Ergebnisse sind im Internet ab Herbst 2005 abrufbar.
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