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Tourenberichte Sommer
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Ortler 2004
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Dem König Ortler auf das Haupt gestiegen
Vor zweihundert Jahren am 27. September 1804 wurde der Ortler, 3905 Meter hoch und in Südtirol gelegen, zum ersten Mal bestiegen. Dies war Grund genug für vier Bergsteiger des Deutschen Alpenvereins, Sektion Reutlingen, den Ortler im Jubiläumsjahr der Erstbesteigung über den Ostgrat (Hintergrat) zu besteigen.
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| Die Route über den Hintergrat |
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Gerade mal vier Minuten konnte der Erstbesteiger Josef Pichler, Gamsjäger aus dem Passeiertal, auch „Pseirer Josele“ genannt, mit seinen Gefährten Johann Leitner und Johann Klausner vor zweihundert Jahren auf dem Gipfel des Ortler bleiben. Die Kälte trieb ihn und seine Begleiter wieder hinunter in wärmere Bereiche. Es war eine gewaltige alpinistische Leistung, denn von einer Bergsteigerausrüstung mit Steigeisen, Eispickel und Wärmeschutz, wie sie heutzutage als normal angesehen wird, konnten die Bergsteiger damals nicht einmal träumen. Ganze achtzehn Jahre nach der Erstbesteigung des Mont Blanc 1786 hat es gedauert, bis der schwierigere Ortler endlich bestiegen wurde.
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Die Reutlinger Bergsteiger hielten es immerhin eine halbe Stunde auf dem Nebel verhangenen Gipfel aus, allerdings war für diesen relativ kurzen Aufenthalt nicht die Kälte ausschlaggebend. Vielmehr war ihnen die Sicht verwehrt: alles war in milchiges Grau gehüllt und nur das mit Eis überzogene Gipfelkreuz war zu sehen. Jetzt kam ihnen der Pseirer Josele mit seinen Begleitern wieder in den Sinn, welche Aussicht er wohl gehabt haben mag vor zweihundert Jahren.
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Mutterseelen alleine waren sie auf dem Berg, die Reutlinger Alpinisten. Weit unter ihnen kämpfte sich noch eine andere Seilschaft über den Grat nach oben. Vorausgegangen waren acht Stunden anstrengende und schweißtreibende, jedoch abwechslungsreiche und interessante Kletterei in Fels und Firn über den rassigen Hintergrat hinauf zum Gipfel. Es war der 17. Juli mittags um halbeins, als sie die 1240 Höhenmeter überwunden hatten und auf dem 3905 m hohen „König Ortler“ standen, zweihundert Jahre nach der Erstbesteigung. Nachdenklich machte das schon.
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| Firnfeld am Hintergrat |
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Auf dem „Normalweg“ führte sie der Abstieg hinunter über den Ortlergletscher in Richtung Julius-Payer-Hütte. Doch so leicht lässt sich der Ortler selbst über diesen nicht bezwingen. Es waren noch ein paar tiefe Gletscherspalten und respektable Kletterpassagen im weiteren Abstieg zu meistern. Nach weiteren zweieinhalb Stunden erreichten sie die Hütte, die bereits 1875 von der damaligen Sektion Prag des Deutsch-Österreichischen Alpenvereins erbaut wurde. Eine Alpenvereinshütte in dreitausend Meter Höhe und Fassbier, was braucht man mehr nach rund elfeinhalb Stunden bergsteigen. Nach einer kurzen Pause ging es vollends zur Tabarettahütte hinunter. „In diesem zweihundertsten Jahr nach der Erstbesteigung war es für uns alle mehr als nur eine Gipfelbesteigung“, so Helmut Kober, Erster Vorsitzender des Deutschen Alpenvereins Reutlingen und Teilnehmer an der Tour.
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| Die Schlüsselstelle im Hintergrat |
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Das Jubiläum der Ortler Erstbesteigung ist für die Suldener Grund genug, das Jubeljahr mit vielen Feierlichkeiten zu begehen. Es gibt ein breites Angebot mit Festivitäten für jeden Geschmack. Am 27. September, auf den Tag genau zweihundert Jahre nach der Erstbesteigung, wird der bekannte Südtiroler Bergsteiger und Bezwinger aller 14 Achttausender der Welt, Reinhold Messner, den Ortler auf der Original-Route von Josef Pichler über die hinteren Wandeln besteigen.
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