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Tourenberichte Sommer
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Großglockner 2008
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Rentnerausflug oder Bergsport 50 Plus
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| Der Großglockner mit dem Stüdlgrat. Rechts über dem Ködnitzkees die Erzherzog-Johann-Hütte (Adlersruhe auf 3451 m) |
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Über den Stüdlgrat auf den Großglockner (3798 m)
(Text und Fotos Helmut Kober)
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| Ab dem Frühstücksplatz nehmen die Schwierigkeiten zu |
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Der so genannte Frühstücksplatz blieb weit hinter unseren Vorstellungen zurück, denn es gab alles nur kein Frühstück. Doch es wäre auch mehr als verwegen, in 3550 Meter Höhe ein üppiges Frühstück zu erwarten, nicht einmal gevespert hatten wir. Hier wurde durch ein Hinweisschild erklärt, wer die Richtzeit von drei Stunden Aufstieg von der Stüdlhütte überschritten hat, der sollte jetzt wieder umkehren. Wir waren eine Viertelstunde über der Zeit und stiegen trotzdem weiter.
Um sechs Uhr waren wir an der Stüdlhütte aufgebrochen und über das flache und harmlose Teischnitzkees erreichten wir die Luisenscharte auf 3200 Meter Höhe. Dort am Einstieg in den Stüdlgrat war die Welt noch in Ordnung. Aber jetzt ab dem Frühstücksplatz ging es dann richtig zur Sache, die Hauptschwierigkeiten sollten erst hier beginnen, so hieß es bereits auf der Hinweistafel bei der Stüdlhütte. Und so war es dann auch.
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| Wolfgang im Vorstieg |
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Eigentlich fühlten wir uns schon genug ausgelastet an diesem Morgen und die grausigen Tiefblicke bescherten uns auch kein besonderes Wohlgefühl. Hinzu kamen viele schmale Grate, senkrechte Wandstufen und schräge Platten. Wir, das waren fünf bergbegeisterte Senioren (alles Rentner) und ein noch Berufstätiger der Sektion Reutlingen, also kurz gesagt, ein Rentnerausflug mit Sponsor. In zwei Dreier-Seilschaften stiegen wir über den kompakten Glocknerfels in Richtung Gipfel. Ab dem Frühstücksplatz nahmen die Schwierigkeiten des insgesamt 500 Meter langen Grates zu, bis IV-, durfte geklettert werden. Dass wir weitergingen lag hauptsächlich an der Neugier, was noch kommen würde und an der Unlust die bisherigen heiklen Stellen wieder absteigen zu müssen. An einer schrägen und ausgesetzten glatten Platte hieß es Reibungsklettern (Piazen), eine neue Erfahrung für die meisten von uns.
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| Eine gute Seilsicherung ist wie eine Lebensversicherung |
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Die Ausgesetztheit trieb meine Atemfrequenz in ungeahnte Höhen. Nur nicht nach unten schauen war die Devise. Jetzt kam noch eine heikle Querung, das Band unter den globigen Bergstiefeln war kaum 20 Zentimeter breit. Zum Glück brachte das dort angebrachte Drahtseil eine gewisse Entspannung. Die nächste Platte musste nun gequert werden, noch einen Meter bis zu einem schrägen Riss, der wieder ausreichend Halt für die Finger bot. Zentimeter für Zentimeter schob ich mich auf den Riss zu; die Querung war geschafft, nicht zuletzt durch die Seilsicherung der Gefährten.
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| Der Grat nimmt in seiner Steilheit zu! |
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Werner war im Vorstieg und Wilfried der Seilzweite. Es überkam uns eine riesige Erleichterung, als wir endlich das Gipfelkreuz in greifbarer Nähe sahen.
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| Höher geht's in Österreich nimmer: Großglockner (4798 m) |
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Die letzten und relativ leichten Kletterstellen ließen wir trotz der Steilheit rasch hinter uns und die Anspannung wich der Erleichterung, es geschafft zu haben.
Nach genau sieben Stunden standen wir zufrieden und voller Stolz am Gipfelkreuz auf 3798 Meter, auf dem Dach Österreichs. Die atemberaubende Aussicht wurde zwar durch Quellwolken etwas getrübt, doch die nähere Umgebung wie das Große Wiesbachhorn und die Glocknerstraße, war gut zu sehen. Wir waren bis auf zwei junge Bergsteiger allein auf dem Gipfel und konnten die Ruhe geniessen. Die paar Seilschaften, die uns im Aufstieg überholt hatten, waren längst wieder abgestiegen. Auch unser Abstieg über den Normalweg lag noch vor uns. Vergleichsweise „harmlos“ war der Abstieg über die Glocknerscharte und das Glocknerleitl einzustufen, doch eine große Sache blieb es dennoch.
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| Da waren wir droben! |
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Jetzt waren wir wieder „schneller“ als die anderen, mindestens an zwei Seilschaften sind wir im Abstieg vom Kleinglockner auf den griffigen Granitplatten vorbeigeturnt. Den gut 40 Grad steilen (sakrisch steil) Firn zum Glocknerleitl hatten wir gut und schnell gemeistert und so kamen wir ohne nennenswerte Schwierigkeiten am frühen Nachmittag auf der Erzherzog-Johann-Hütte, 3451 Meter an. Eine warme Fritattensuppe mit Radler möbelte uns rasch wieder auf. Etwa zwei Stunden später erreichten wir über das matschige Ködnitzkees unseren Ausgangspunkt, die Stüdlhütte. An der besagten Hinweistafel zu den Risiken und Nebenwirkungen des Stüdlgrates zogen wir vorbei zur Hüttenterrasse und genehmigten uns ein frisch gezapftes Bier, bevor wir erneut unser Nachtlager bezogen. Wir waren mehr als zufrieden mit unserer Leistung, denn außer Werner Funkler und Wolfgang Joas hat noch keiner einen Felsgrat mit Kletterstellen im IV Schwierigkeitsgrad durchstiegen.
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| Vor der Bergkulisse des Hochkönig |
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Anzumerken ist noch: erstens waren die zwei Ältesten von uns 70 Jahre alt und zweitens fand unsere Eingehtour zwei Tage zuvor auf den Hochkönig statt, die auf Grund der Länge auch nicht von Pappe war. Auf „FuTour“ (Funklertours) waren: Werner Funkler, Georg Röcker, Wilfried Knorr, Wolfgang Joas, Winfried Herzog und Helmut Kober.
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