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Vom Reis ins Eis, 8000er Gipfel zum Greifen nah

Abbildung: Erdrückend: die Ostwand des Dhaulagiri (8167 m) gesehen vom Poon Hill (3210 m)
Erdrückend: die Ostwand des Dhaulagiri (8167 m) gesehen vom Poon Hill (3210 m) 

Abbildung: Die Augen Buddhas sehen alles: Stupa Swayambunath in Kathmandu
Die Augen Buddhas sehen alles: Stupa Swayambunath in Kathmandu  Diese Abbildung vergrößern...
(Text und Bilder: Ulrich Hagen)

Die tiefste Schlucht der Erde, den höchsten nur zu Fuß erreichbaren Passübergang, 8000er Gipfel zum Greifen nah – diese Superlative haben zehn Sektionsmitglieder aus Sonnenbühl und Reutlingen während einer Trekkingtour im Oktober in Nepal erlebt. Nepal liegt im Bann namhafter 8000er zwischen Indien und China.

Abbildung: Vorfahrt: Speditionsbetriebe haben Vorfahrt vor Fußgängern, auch auf Hängebrücken
Vorfahrt: Speditionsbetriebe haben Vorfahrt vor Fußgängern, auch auf Hängebrücken  Diese Abbildung vergrößern...
Der Weg durch die Kali Gandaki Schlucht liegt auf 1500 Meter Meereshöhe und ist zwischen dem Dhaulagiri (8167 m) und der Annapurna (8091 m) über 6500 Meter tief eingegraben. Doch bevor die zwei Frauen und acht Männer das erleben durften, hatten die Götter des Himalaya ihnen ganz schön Schweiß und Anstrengungen abverlangt. Die komplette Umrundung des Annapurna-Massivs geht über 240 Kilometer, erfordert über 11000 Höhenmeter im Auf- und Abstieg und führt von den Reisfeldern über das Eis des Thorong-La Passes auf 5416 m. Temperaturzonen von 30 Grad plus bis 20 Grad minus waren zu überwinden.

Abbildung: Kein Materiallift in der Nähe: solche Lasten sind Alltag in Nepal, nicht nur in Kathmandu
Kein Materiallift in der Nähe: solche Lasten sind Alltag in Nepal, nicht nur in Kathmandu  Diese Abbildung vergrößern...
„Das muß doch sicher anstrengend gewesen sein“ war eine vielgestellte Frage an die Bergsteiger, als sie wieder zuhause waren. War es – oder auch nicht. Kommt auf die Sichtweise an. Sie haben sich aber gründlich vorbereitet. Lauftraining auf der Alb und Bergtouren in den Alpen: Nadelhorn (4327 m) im Wallis, Mindelheimer Klettersteig, Eisentäler Spitze im Verwall und „als Hammer“ die Zugspitze durch das Höllental ohne Zwischenübernachtung (2200 Höhenmeter). Höhenanpassung konnte in Europa nicht trainiert werden, das geschah vor Ort in Nepal. Die größte Übernachtungshöhe lag auf dem Gipfelniveau der höchsten Alpengipfel.

Abbildung: Reisernte: Ist in Nepal Frauensache
Reisernte: Ist in Nepal Frauensache  Diese Abbildung vergrößern...
Und die Verpflegung? Sehr bekömmlich: Reis, Hülsenfrüchte, Nudeln und Gemüse. Wenig Fleisch – nur etwas Huhn, alles fettarm und frisch zubereitet. Daal Bhat, das traditionelle nepalesische Gericht mit Reis und Linsen wird mit den Fingern gegessen. Die rechte Hand ist die reine, mit ihr werden auch die Gebetsmühlen gedreht und Freunde begrüßt. Die linke? Für einige Notwendigkeiten der morgendlichen Toilette.




Abbildung: Wegen Überfüllung geschlossen: Gibt es nicht in Nepal – Jeder wird mitgenommen
Wegen Überfüllung geschlossen: Gibt es nicht in Nepal – Jeder wird mitgenommen  Diese Abbildung vergrößern...
„Wer glaubt, Berge gesehen zu haben, wenn er in den Alpen unterwegs war, der muss mal in den Himalaya kommen. Dann weiß er, was Berge sind. Wenn du auf 4000 m Höhe stehst und schaust bis zum Gipfel noch einmal so hoch hinauf, dann ist das gewaltig“, stellt Siegfried Reiff fest. Aber es waren nicht nur die Berge, die fasziniert haben. Freundliche Leute, unberührte Natur, fremde Religionen und Kulturen, die Zufriedenheit der Menschen in autofreien Regionen ohne Handy und E-Mail. Ganze Täler, acht Tagesmärsche entfernt von der letzten Straße, werden von Maultieren und Trägern mit dem Nötigsten versorgt.

Abbildung: Maultiere: das wichtigste Transportmittel in den Tälern des Himalaya
Maultiere: das wichtigste Transportmittel in den Tälern des Himalaya  Diese Abbildung vergrößern...
Auch die Bergsteiger hatten einheimische Träger dabei. Sie kamen sich aber nicht als Kolonialherren vor, wenn sie einen Teil ihrer Ausrüstung transportieren ließen. 17 Tage Arbeit hatten die Träger dadurch und bekamen 300 Rupien am Tag, das sind etwa drei Euro. Damit verdienten sie während der ganzen Tour soviel, wie der Durchschnitt der nepalesischen Bevölkerung im ganzen Jahr. Wie lange das reicht? Bis zur nächsten Tour. Nur keiner von ihnen weiß, wann die sein wird. Vielleicht erst im nächsten Jahr. Es gibt Hunderte von Trägern dort, die sich um Arbeit reißen.

Abbildung: Ausbildung: Unterweisung an der Überdruckkammer (Certeg Bag)
Ausbildung: Unterweisung an der Überdruckkammer (Certeg Bag)  Diese Abbildung vergrößern...
Die bergsteigerischen Ansprüche für die Tour waren moderat: reines Gehgelände, nur selten ausgesetzt. Die dünne Luft auf über 5000 m war die größte Herausforderung. Durch die gute Akklimatisation war der Körper jedoch gut vorbereitet. Die behutsame Steigerung der Übernachtungshöhen und an einem „Ruhetag“ mal eben 1300 Höhenmeter hoch auf 4700 m und wieder runter machten es möglich.

Abbildung: Buddhismus: Gebetsmühlen an Ortseingängen und Klöstern
Buddhismus: Gebetsmühlen an Ortseingängen und Klöstern  Diese Abbildung vergrößern...
Gut 2000 Euro stehen für diese 23-tägige Unternehmung zu Buche – Lodgetrekking ist wegen der schlanken Begleitmannschaft erheblich günstiger als Zelttrekking.





Abbildung: Vitamine: Zitruspresse auf nepalesisch
Vitamine: Zitruspresse auf nepalesisch  Diese Abbildung vergrößern...
Wenn man sich tagsüber mit Essen und Trinken und beim Kauf von Souvenirs einigermaßen zusammenreißt, kommt man mit insgesamt 2500 Euro zurecht, vorausgesetzt man muß nicht noch Ausrüstung kaufen.

Ob Nepal ansteckend wirkt? Manaslu, Dhaulagiri und Annapurna waren auf der Tour zu sehen. Der Everest nicht.

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Lohn der Mühen am Thorong-La Pass: stehend von links Arno Schneidereit, Erich Klocker, Bernd Schrade, Inge Herrmann, Helmut Lengerer. Sitzend von links Ingrid Klocker, Siegfried Reiff, Dieter Armbruster, Bruno Herrmann, Ulrich Hagen


Letzte Änderung: 27.11.2006  |  Druckversion  |  zum Seitenanfang


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